Am 11. Oktober 2026 wählt Schwielowsee seine:n neue:n Bürgermeister:in. Wir haben gemeinsam mit der SPD Schwielowsee den Kandidierenden 22 Fragen gestellt. Hier veröffentlichen wir ihre Antworten.




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Nadine Stephan:
Vorab ein offenes Wort: Alles, was ich hier schreibe, sind Ideen und Vorstellungen aus der jetzigen Zeit. Große Versprechen möchte ich bewusst nicht machen.
Welche Möglichkeiten wirklich bestehen, wird sich erst zeigen, wenn ich das Amt übernehmen würde. Als Gemeindevertreterin kenne ich schon vieles, aber das tatsächliche Hintergrundwissen der Verwaltung fehlt natürlich. Oft wird es zunächst darum gehen, die Grundlagen zu schaffen. Und am Ende ist vieles eine Frage des Geldes.
Finanzen
Nadine Stephan:
Ich würde für unsere Unternehmer wieder ein offenes Ohr haben wollen. Viele von ihnen sprechen schon heute Probleme an, die seit Langem liegen bleiben, zum Beispiel den Internetanschluss im Caputher Gewerbepark. Um diese Dinge sollten wir uns zuerst kümmern, sie hätten für mich Priorität. Die Telekom will in Caputh und Geltow Glasfaser verlegen. Ich würde mich dafür einsetzen, dass der Gewerbepark unbedingt dabei ist.
Gleichzeitig sollte die Entwicklung des Gewerbegebiets Ferch so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dass Werder Feinkost jetzt dorthin zieht, zeigt, dass Nachfrage da ist. Ich könnte mir ein regelmäßiges Unternehmerfrühstück vorstellen, bei dem Probleme auf den Tisch kommen, bevor sie groß werden. Ein falsches Signal wäre es aus meiner Sicht, gleichzeitig die Gewerbesteuer von 330 auf 400 Prozent anzuheben.
Dirk Hünerson:
Ich möchte die Einnahmen der Gemeinde nicht über eine höhere Gewerbesteuer steigern, sondern durch gezielte neue Gewerbeansiedlungen. Dazu sollen bestehende Leerstände aktiv nutzbar gemacht, die Entwicklung des Gewerbegebiets Ferch beschleunigt und die Vermarktung vorhandener Flächen professionalisiert werden. Gleichzeitig will ich die digitale Infrastruktur weiter verbessern. Eine partnerschaftliche Verwaltung mit klaren zentralen Ansprechpartnern soll bürokratische Hürden abbauen. Ergänzend setze ich auf regionale Kooperationen und einen regelmäßigen Gewerbedialog mit den ansässigen Betrieben, um lokale Wertschöpfung zu stärken und nachhaltige Unternehmen anzuziehen, die gut zu Schwielowsee passen und Umsatz vor Ort schaffen. Perspektivisch möchte ich den Bedarf des Gewerbegebietes Ferch an vergünstigten Gewerbestrom durch gemeindliche PV- und Windrad-Anlagen decken und dies Angebot auf Bürgerstrom ausweiten und dadurch zusätzliche Einnahmen generieren.
Nadine Stephan:
Alle haben derzeit finanzielle Probleme, die Kommunen, der Kreis, das Land und der Bund. Das ist kein Schwielowseer Sonderfall. Dazu kommt: Den Gemeinden werden immer mehr Aufgaben übertragen, aber auf den Kosten bleiben wir sitzen. Dabei gilt eigentlich das Konnexitätsprinzip, also wer bestellt, bezahlt. So steht es auch in der Brandenburger Landesverfassung. Dafür würde ich mich gegenüber dem Land deutlich einsetzen. Die geplante Erhöhung von Grundsteuer B und Gewerbesteuer ab 2027 würde ich gern verschieben. Sollte die Kommunalaufsicht es verlangen, führt allerdings kein Weg daran vorbei.
Fördermittel müssten viel stärker als bisher in unsere Planung einfließen. Mit dem INSEK haben wir eine sehr gute Grundlage geschaffen, wie sich Schwielowsee entwickeln soll, und genau diese Grundlage ist Voraussetzung für viele Förderprogramme. Auch eine digitale Verwaltung könnte Kosten sparen. Kündigungen beim Personal halte ich nicht für den richtigen Weg. Ich würde eher auf die natürliche Fluktuation und bessere Abläufe setzen.
Mein Ziel wäre weiterhin ein Kitaplatz für jedes Kind. Wir haben sinkende Kinderzahlen, und frei werdende Räume könnten wir anders nutzen, statt sie leer stehen zu lassen. Ich könnte mir vorstellen, dort Generationen zusammenzubringen, zum Beispiel mit Erzählstunden des Seniorenbeirats in unseren Kitas. Davon hätten Kinder und Ältere etwas, und es würde kaum Geld kosten.
Dirk Hünerson:
Schwielowsee hat kein Luxusproblem, sondern ein strukturelles Ausgabeproblem. Zwischen 70-90 % aller Ausgaben – inklusive Personal- und Transferaufwendungen – sind gesetzlich vorgeschriebene Pflichtaufgaben. Diese Kosten sind nicht kürzbar, ohne dass die Gemeinde ihre gesetzlichen Verpflichtungen verletzt.
Effizienzsteigerungen in Verwaltung und Einrichtungen können einige Prozent bringen, aber sie lösen kein Defizit von über 10 %. Darum ist klar: Wir haben ein Ausgaben- und ein Einnahmenproblem.
Der echte Hebel liegt in höheren Einnahmen ohne Steuererhöhungen: bessere Vermarktung unserer Kitas, Nutzung ungenutzter Räume, kommunale Synergien, Gewerbeentwicklung (siehe oben) und wirtschaftlich sinnvolle Kommunalisierung (Energie-, Wärmeversorgung, Wohnwirtschaft bzw. Abwasser). So stabilisieren wir den Haushalt nachhaltig und gerecht und schaffen weniger Kosten für die Bürger durch die WAZV-Zuständigkeit auch für Caputh und Geltow.
Personalaufwendungen sind Pflichtaufwendungen, Kürzungen bzw. Umwidmung sind nur über Digitalisierung, Prozessoptimierung und Aufgabenbündelung möglich (2–4 %, also begrenzt), Stellen sollen nicht automatisch nachbesetzt werden, aber es muss die kommunale Handlungsfähigkeit erhalten bleiben.
Durch Modernisierung, Effizienzmaßnahmen und Priorisierung sollen Aufgabengebiete verlagert werden, um Services für Gewerbe und das eigene wirtschaftliche Auftreten der Gemeinde ressourcentechnisch abzubilden, um das vorhandene Personal einnahmenbetont einzusetzen.
Die Gemeinde betreibt eigene Kitas und zahlt hohe Transferleistungen für Kinder, die außerhalb der Gemeinde betreut oder beschult werden. Bei sinkenden Kinderzahlen muss die Gemeinde wirtschaftlich reagieren, aber nicht durch Schließungen oder Qualitätsabbau.
Stattdessen: Bessere Vermarktung der gemeindlichen Kitas, um mehr Kinder aus der Region zurückzuholen, Vermeidung externer Betreuungskosten durch die Schaffung weiterer attraktiver Angebote vor Ort. Eine begrenzt zeitliche Umnutzung ist möglich.
Synergien schaffen: Küchenpersonal auch für Schulspeisung oder Seniorenmittagstisch einsetzen, Räume, die nicht genutzt werden, gewerblich vermieten, aber nicht verkaufen.
Externe Kitas: Durch bestehende Verträge sind diese nicht kürzbar. Die frühere externe Vergabe hat den kommunalen Handlungsspielraum reduziert.
Nadine Stephan:
Neue Einwohner bringen Einkommensteueranteile und Schlüsselzuweisungen. Sie bringen aber auch Folgekosten mit, für Kita, Schule, Straßen und Abwasser. Für jede weitere Entwicklung in Geltow-Nord ist zuerst die neue Verbindungsstraße am Mühlenberg nötig. Ob ein Erweiterungsbau an der Schule in Caputh bei sinkenden Kinderzahlen noch nötig ist, wird gerade geprüft. Grundsätzlich sollten wir vorher genau prüfen, ob wir eine solche Entwicklung mit unserer Infrastruktur und unserem Haushalt stemmen können. Vor jedem Beschluss über ein Baugebiet müsste eine ehrliche Folgekostenrechnung auf dem Tisch liegen. Wohnungsbau ja, aber nur so, dass die Infrastruktur mitwachsen kann. Dazu gehört auch der ÖPNV, der an neue Baugebiete angepasst werden müsste.
Außerdem sollten wir den demografischen Wandel im Blick behalten. Unsere Einwohnerinnen und Einwohner werden im Schnitt älter, und damit brauchen wir mehr seniorengerechte Wohnungen.
Oft wohnen ältere Menschen allein in großen Häusern, während junge Familien keinen Platz finden. Ein Ansatz könnte sein, hier einmal anders zu denken. Wer im Alltag Unterstützung gebrauchen kann, könnte Hilfe annehmen und damit gleichzeitig Wohnraum schaffen, zum Beispiel über Modelle wie „Wohnen für Hilfe“, bei dem Studierende oder Auszubildende günstig bei Älteren wohnen und im Alltag mit anpacken. Auch der Umbau großer Häuser in zwei Wohnungen wäre denkbar. Nicht jeder möchte sein Haus teilen, und das muss auch niemand. Wer aber Interesse hat, kann sich gern melden, das Rathaus könnte dabei organisatorisch unterstützen.
Hinzu kommt, dass die aktuelle EU-Förderperiode mit ELER und LEADER 2027 ausläuft. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Deshalb sollten wir Projekte, die gefördert werden sollen, jetzt auf den Weg bringen.
Dirk Hünerson:
Neue Wohngebiete belasten den Haushalt kurzfristig und erhöhen die Pflichtausgaben dauerhaft. Schwielowsee hat bereits ein strukturelles Defizit – daher müssen wir Wohnentwicklung wirtschaftlich denken. Reine Wohngebiete wie Geltow‑Nord belasten den Haushalt und bedingen Investitionen in die soziale Infrastruktur, wenn sie keine zusätzlichen Einnahmen erzeugen. Investoren müssen an den Folgekosten beteiligt werden. Wir brauchen intelligente Nutzungskonzepte, kommunale Wertschöpfung und eine Stärkung unserer eigenen Kitas und Infrastruktur, statt neue Folgekosten zu schaffen. Zusätzlich muss das bestehende und zukünftige Verkehrsproblem ausreichend adressiert und zufriedenstellend für die Nutzer gelöst werden.
Kernbotschaft: Behutsame Entwicklung und Spielraum für bezahlbaren Wohnraum und zusätzliche Einnahmen nutzen, sowie Verkehrsprobleme zufriedenstellend adressieren.
Gewerbe
Nadine Stephan:
Ich halte das Vorhaben in dieser Form für nicht umsetzbar. Allein für Wasser, Abwasser und Regenwasser rechnet das Gutachten im Auftrag der WFBB mit 58 bis 147 Millionen Euro. Das Gutachten sagt selbst, dass die Wasserversorgung als Einzelprojekt nicht realisierbar ist. Zwar sollen die Kosten später über Grundstücksverkäufe wieder hereinkommen, aber bis dahin müssten die beteiligten Gemeinden, und dazu gehört auch Schwielowsee, Planung und Erschließung über Jahre vorfinanzieren und das Risiko tragen. Einen Investor gibt es bisher nicht, und erste Ansiedlungen wären frühestens ab 2032 möglich.
Keine der vier Gemeinden hat das Geld für Investitionen in dieser Größenordnung. Wir diskutieren in Schwielowsee gerade selbst über Steuererhöhungen, um unseren Haushalt auszugleichen. Ich würde lieber auf das setzen, was wir selbst in der Hand haben: unser Gewerbegebiet in Ferch schnell entwickeln und den Unternehmern vor Ort den Rücken stärken.
Dirk Hünerson:
Das Industrie‑ und Gewerbegebiet Seddin hat gesamtgesellschaftliche Bedeutung, bringt aber für Schwielowsee nur einen sehr begrenzten finanziellen Nutzen, da lediglich rund 15 % der Steueranteile bei uns wirksam werden. Deshalb müssen die erheblichen ökologischen Eingriffe und die zu erwartenden Folgekosten – etwa für Verkehr, Infrastruktur und zusätzlichen Wohnraumbedarf – sorgfältig gegen diesen begrenzten Nutzen abgewogen werden.
Sollte das Land Brandenburg oder die Nachbargemeinden die Entwicklung dennoch vorantreiben, sehe ich meine Rolle klar auf der gestalterischen Seite: Schwielowsee muss strukturelle Synergien aktiv nutzen. Dazu gehören Renaturierungsmaßnahmen in Schwielowsee, die Stärkung kommunaler Aufgaben wie Abwasser‑ und Energiewirtschaft, sowie die Festlegung auf moderne Industrieformen, die nahezu vollständig geschlossene Wasserkreisläufe ermöglichen.
Energie und Wärme
Nadine Stephan:
Grundsätzlich ja. Ein geeignetes Gemeindedach ohne Anlage ist verschenktes Potenzial.
Ich könnte mir vorstellen, die Dächer prüfen zu lassen und dann über Fördermittel, Pachtmodelle oder Bürgerenergie umzusetzen, damit der Haushalt nicht zusätzlich belastet wird. Ohne Förderung oder Partner wäre das bei unserer Kassenlage allerdings kaum zu stemmen. Dass erneuerbare Energien der Gemeinde auch Geld bringen können, sehen wir an den Windrädern am Dachsberg: Sie bringen uns in diesem Jahr voraussichtlich rund 96.000 Euro Kommunalabgabe.
Dirk Hünerson:
Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden bietet drei Vorteile:
- Senkung der laufenden Energiekosten
- Stärkung der kommunalen Resilienz (Strompreisschwankungen, Versorgungssicherheit)
- Beitrag zur Klimastrategie ohne Belastung der Bürger
Die Gemeinde muss wirtschaftlich handeln, aber mit sauberer Wirtschaftlichkeitsprüfung. Ähnlich sieht es mit kommunaler Wärmeversorgung aus, es gibt 3 Regionen mit dem entsprechenden Umfang, so dass sich eine Entwicklung für alle Seiten lohnt.
Verkehr und Mobilität
Nadine Stephan:
Das Radverkehrskonzept gibt es seit 2021, es wurde zu 80 Prozent aus EU-Fördermitteln bezahlt. Es wäre schade, wenn es im Schrank liegen bliebe. Viele Maßnahmen, die eigentlich schon bis Ende 2022 erledigt sein sollten, kosten wenig: Poller korrigieren, Wegweiser anpassen, Sichtbehinderungen beseitigen, oft für ein paar hundert Euro. Damit würde ich anfangen, weil wir das aus eigener Kraft schaffen könnten. Danach sollten die Schulwege Vorrang haben.
Die großen Maßnahmen, etwa neue Radwege an den Kreisstraßen, kosten jeweils mehrere hunderttausend Euro und liegen überwiegend beim Landkreis oder beim Landesstraßenbetrieb. Dass es mit Fördermitteln gehen kann, sieht man gerade in Ferch: Der Geh- und Radweg an der K 6907 wird gebaut, der Anteil der Gemeinde wird mit gut 220.000 Euro gefördert. Auch der Kreis hat derzeit finanzielle Probleme, deshalb werden solch umfangreiche Maßnahmen auch in Zukunft schwierig. Hilfreich wäre ein jährlicher Bericht in der Gemeindevertretung, was umgesetzt wurde und was nicht. Da das Konzept inzwischen fünf Jahre alt ist, sollten wir einzelne Punkte vor der Umsetzung noch einmal prüfen, ob sie heute noch passen.
Dirk Hünerson:
Sicherheit zuerst (Pflichtaufgabe): Diese Maßnahmen sind rechtlich und verkehrssicherheitsseitig zwingend:
- Querungshilfen an Hauptstraßen
- Lückenschlüsse an Schulwegen
- Barrierefreie Übergänge
- Gefahrenstellen entschärfen, z. B. Engstellen, unübersichtliche Kurven
Lückenschlüsse mit hoher Wirkung: Verbindungen Ferch–Fichtenwalde/Seddin, Geltow–Caputh vollenden.
Die Gemeinde kann große Infrastrukturprojekte nur mit Fördermitteln realisieren, relevant sind: Zukunftspaket Brandenburg (3,7 Mio. € vorgesehen), Radverkehrs-Förderprogramme des Landes und Bundesprogramme für nachhaltige Mobilität.
Nadine Stephan:
Tempo 30 würde ich dort befürworten, wo es Sinn macht: vor Kitas, Schulen, an engen Ortsdurchfahrten und an Stellen, wo Fußgänger queren müssen. An der Michendorfer Chaussee vor der Kita „Arche Noah“ haben wir das mit unserer Petition erreicht. Eine pauschale Regelung für die ganze Gemeinde halte ich nicht für nötig. Viele unserer Straßen sind Kreis- oder Landesstraßen, dort entscheidet der Landkreis, und dort müsste man mit guten Gründen Druck machen.
Dirk Hünerson:
Tempo 30 ist für mich kein Selbstzweck. Ich unterstütze Tempo 30 überall dort, wo es nachweislich die Verkehrssicherheit erhöht, Lärm reduziert und die Lebensqualität verbessert. Gleichzeitig kann es einen wichtigen Beitrag leisten, um Durchgangsverkehr zu verringern und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken.
Ein weiterer sinnvoller Ausbau hat jedoch förderungs- bzw. zuständigkeitsrechtliche Abhängigkeiten. Weitere Tempo 30-Zonen können nur noch durch eine ortsweite Tempo 30 Einführung, welcher durch den Erholungsortstatus rechtlich gut begründbar ist, eingeführt werden. Damit eine solche Entscheidung tragfähig ist, werde ich einen offenen Bürgerdialog durchführen. Nur gemeinsam können wir diese Chance bewerten und eine Lösung finden, die Sicherheit, Mobilität und Lebensqualität gleichermaßen stärkt.
Nadine Stephan:
Das ist mein Thema, seit ich mich kommunalpolitisch engagiere. Mit über 2.000 Unterschriften haben wir an der Michendorfer Chaussee in Caputh Tempo 30 und das Schild „Achtung Kinder“ durchgesetzt. Den Zebrastreifen hat der Landkreis abgelehnt. Wenn etwas abgelehnt wird, sollte man prüfen, ob es andere Lösungen gibt, und genau da würde ich dranbleiben.
Die Zeiten ändern sich rasant, deshalb müsste man sich die Verkehrsschwerpunkte in allen drei Ortsteilen immer wieder anschauen und neu beurteilen. An der Uferpromenade in Caputh gibt es zum Beispiel Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, in Ferch erleben wir hohes Verkehrsaufkommen, wenn auf der Autobahn wieder Stau ist. Da müsste in Sonderfällen sofort reagiert werden. Wichtig ist immer ein guter Draht zur Straßenverkehrsbehörde, damit sich auch kurzfristig Lösungen finden lassen. Es ist immer wieder das Gleiche: Kommunikation ist das A und O. Nicht alles kostet viel Geld, manches ist eine Frage von Schildern und Hartnäckigkeit. An schwer einsehbaren Kreuzungen könnten zum Beispiel Verkehrsspiegel helfen. Leider wurde der Antrag für einen Spiegel am Sportplatz Ferch abgelehnt, auch da bleibe ich dran. Ich bin der Meinung: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Dirk Hünerson:
Die Verkehrssicherheit ist an mehreren Stellen in Schwielowsee unzureichend, während das Verkehrsaufkommen weiter steigt. Für mich ist entscheidend, dass wir diese Herausforderungen nicht isoliert betrachten, sondern gemeinsam Lösungen entwickeln.
Ich möchte einen offenen Dialog führen – wie bereits dargestellt – um gezielt Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung zu entwickeln. Dazu gehört insbesondere die Stärkung des Radverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs. Wenn wir sichere Wege schaffen, attraktive Alternativen anbieten und die Mobilität intelligent steuern, können wir Verkehr reduzieren.
Verkehrssicherheit entsteht durch ein Gesamtpaket aus Infrastruktur, Mobilitätsangeboten und Beteiligung. Deshalb setze ich auf einen transparenten Bürgerprozess, der die Bedürfnisse der Ortsteile ernst nimmt und gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeitet.
Nadine Stephan:
Die Seilfähre gehört seit Generationen zu Caputh. Sie ist Tradition und zugleich ein Unternehmen aus unserer Gemeinde, und für mich bleibt sie das Herzstück am Caputher Gemünde. Solche Betriebe sollten wir stärken.
Die Machbarkeitsstudie für eine barrierefreie Verbindung an der Bahnbrücke ist zu 80 Prozent gefördert, der Entwurf des Endberichts liegt der Verwaltung vor. Untersucht werden Rampen, Aufzüge und eine Verbreiterung des Gehwegs. Das Ergebnis würde ich abwarten und offen in der Gemeindevertretung besprechen. Ehrlich gesagt sehe ich ein solches Bauwerk aber kritisch, denn selbst mit Fördermitteln bliebe ein erheblicher Eigenanteil bei der Gemeinde, und dieses Geld haben wir im Moment nicht. Wichtig wäre auch eine ehrliche Bedarfsermittlung: Wie viele Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen würden eine solche Verbindung tatsächlich nutzen?
Dirk Hünerson:
Ich unterstütze das Projekt einer barrierefreien Havelüberquerung grundsätzlich – weitere Fördermittel müssen eingeworben werden, da es auch einen überregionalen Charakter, neben der direkten Verbindung von Geltow und Caputh hat und es ist ein Beitrag zur Mobilität und Tourismus.
Tourismus
Nadine Stephan:
Schwielowsee ist ein Geschenk. Wir sind staatlich anerkannter Erholungsort und leben von unseren Seen, deshalb müssen wir sie schützen. Ich stehe für maßvollen, nachhaltigen Tourismus, nicht für Massentourismus. Mein Ziel wäre, dass jeder in Brandenburg Schwielowsee kennt, und zwar aus den richtigen Gründen.
Unsere Schätze sollten wir besser zeigen: Einsteins Sommerhaus und das Schloss in Caputh, den Bonsai-Garten und das Museum der Havelländischen Malerkolonie in Ferch. Auch unsere Heimathäuser in Geltow und Caputh sind unbedingt einen Besuch wert. Ich könnte mir einen Kulturweg durch alle drei Ortsteile vorstellen. Dazu kämen ausgebaute Wasserwanderwege mit Anlegestellen und einfachen Rastplätzen, die sich oft über LEADER fördern lassen. Die geplante REWE-Nahkaufbox an der Neuen Scheune in Ferch könnte auch Wassersportlern dienen, wenn wir in der Nähe eine Anlegemöglichkeit schaffen. Wassersportveranstaltungen, gut ausgelastete Campingplätze, gemeinsame Feste wie das Weiße Fest (Sommerpicknick) oder ein Fahrradsonntag und ein Markt mit regionalen Erzeugern würden auch die Nebensaison beleben.
Ganz wichtig wäre mir, Bildung und Naturschutz zusammenzubringen: Wald- und Wiesenprojekte für Schulen und Schautafeln an unseren Wegen, gern mit QR-Code zu kurzen Texten über Natur, Wild und Geschichte. Auch die Lauschtour könnte man erweitern. Ich entwickle selbst Workshops zu Nachhaltigkeit für Schülerinnen und Schüler und weiß, wie viel Kinder draußen lernen.
Werben sollten wir gemeinsam mit Werder, Potsdam und dem regionalen Tourismusverband, statt dass jeder für sich allein wirbt. Die Kurtaxe sollte sichtbar in Wege, Grünanlagen und Spielplätze fließen, die Gäste und Einheimische gleichermaßen nutzen. Vieles davon kostet wenig oder lässt sich mit Partnern und Fördermitteln umsetzen.
Dirk Hünerson:
Ich möchte den Tourismus naturverträglich und qualitätsorientiert in Schwielowsee weiterentwickeln, z.B. mit einer Schwielowsee-App, die nicht nur sportliche oder kulturelle Veranstaltungen, sondern auch über ÖPNV-Standorte Mitfahrer Gesuche und Angebote vermittelt. Radverkehrsangebote, wie z.B. die barrierefreie Querung des Gemündes, sollen ausgebaut werden und der ÖPNV auch durch die touristische Nutzung nachgefragt bleibt, sensible Natur muss geschützt bleiben und digitale Lösungen zur Senkung des Aufwands eingesetzt werden.
Tourismus soll der Gemeinde nutzen, nicht schaden. Deshalb setze ich auf eine behutsame Entwicklung, die Touristen und Bürgern nutzt, um weitere Einnahmen erzielen und den Nutzen für die Bürger zu erhöhen.
Gemeinwohlorientiertes Bauen/ Wohnen für alle
Nadine Stephan:
Wir brauchen Wohnungsbau, der zu Schwielowsee passt. Das heißt nicht, alles zuzubauen, sondern Nachverdichtung zu steuern, statt sie zu verhindern. Ich könnte mir vorstellen, Gemeindeflächen über Erbbaurecht oder Konzeptvergabe an Bauherren abzugeben, die bezahlbare Mieten zusagen. Das wäre ein Hebel, den die Gemeinde selbst in der Hand hat und der sie kein zusätzliches Geld kostet.
Mit dem sogenannten „Bauturbo“ des Bundes hat die Gemeinde weitere Möglichkeiten. Mit ihrer Zustimmung kann Wohnungsbau schneller zugelassen werden, auch wenn er vom Bebauungsplan abweicht. Das könnte helfen, bringt aber auch Nachteile mit sich: Wenn schneller gebaut wird, müssen Straßen, Kita und Schule trotzdem mithalten, und unser Ortsbild darf nicht darunter leiden. Deshalb würde ich jeden Fall einzeln und genau prüfen wollen. Wir sollten uns unser Planungsrecht nicht aus der Hand nehmen lassen.
Außerdem kommt einiges auf uns zu. Ab dem 1. Januar 2027 gelten wesentliche Teile der neuen Brandenburgischen Bauordnung. Die Gemeinden bekommen damit mehr Verantwortung, müssen sich aber auch schneller positionieren. Darauf sollte sich unsere Verwaltung jetzt vorbereiten, damit wir keine Fristen verpassen und nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.
Informationen des Landes zur neuen Bauordnung:
https://mil.brandenburg.de/mil/de/themen/planen-bauen/oberste-bauaufsicht/bauordnungsrecht/neue-bbgbo/
Und vielleicht haben unsere Bürgerinnen und Bürger selbst gute Ideen. Die würde ich gern hören, zum Beispiel in den Ortsbeiräten oder über kleine Umfragen bei denen, die es direkt betrifft.
Dirk Hünerson:
Ich möchte die Wohnraumsituation in Schwielowsee durch kommunale, genossenschaftliche bzw. gemeinwohlorientierte Modelle, die intelligente Nutzung bestehender Gebäude sowie die Förderung von Mehrgenerationen‑ und Seniorenwohnen verbessern. Mehr Vielfalt bedeutet weniger Druck auf den Wohnungsmarkt.
Reine Neubaugebiete lösen das Problem nicht. Wir brauchen eine kommunale Steuerung der Wohnraumentwicklung für Schwielowseer (wohnhaft oder arbeitend), eine langfristige Refinanzierung mit einem 30‑Jahres‑Horizont statt kurzfristigem Renditedruck, einen Mietspiegel zur Transparenz und eine Unterstützung in der Verwaltung für Anwohner, die Wohnraum schaffen wollen, um ein vielseitiges Angebot zu initiieren.
Die wenigen gemeindlichen Grundstücke müssen gezielt für sozialen Wohnungsbau und Wohnraum für in der Gemeinde sozial Tätige (Pflege, Feuerwehr, Erzieher, Gastronomie), Senioren und junge Familien vorgehalten werden. Sie sind ein strategisches Gut der Gemeinde und dürfen nicht leichtfertig zur Haushaltsicherung verkauft werden.
In den auszuweisenden Entwicklungsbereichen – insbesondere in Geltow‑Nord – braucht es eine behutsame und klar gesteuerte Entwicklung. Das bedeutet: verbindliche Gestaltungssatzungen, präzise Bebauungspläne und städtebauliche Verträge, die bezahlbaren Wohnraum, barrierefreie und familienfreundliche Strukturen und eine ausgewogene Mischung der Nutzungen sichern.
Nadine Stephan:
Ich spreche lieber von bezahlbarem Wohnen als von Sozialwohnungen. Schwielowsee hat eine besondere Lage am Wasser, und die Grundstückspreise sind entsprechend hoch. Klassischer sozialer Wohnungsbau ist unter diesen Bedingungen schwer umzusetzen, und selbst als Bauherr aufzutreten, könnte sich die Gemeinde nicht leisten.
Worum es mir geht: Junge Familien, die hier aufgewachsen sind, sollten hier auch wohnen bleiben können, genauso wie Menschen, die wir hier dringend brauchen, etwa Pflegekräfte oder junge Handwerker. Wie oben bereits beschrieben, könnte ich mir auch andere Wohnmodelle vorstellen. Ich wohne selbst auf einem Mehrgenerationenhof, auf dem man sich jederzeit gegenseitig unterstützt. Auch die Möglichkeit, einzelne Zimmer an Studierende abzugeben, verbindet Jung und Alt miteinander. Ich würde prüfen lassen, ob bei Gemeindegrundstücken ein Einheimischen- oder Familienmodell möglich wäre, zum Beispiel über das Erbbaurecht.
Dirk Hünerson:
Über die Punkte zu 11 hinaus sollte das bestehende Punktesystem für die Vergabe von Pacht‑ und Mietgrundstücken erweitert und geschärft werden, sodass Kriterien wie Schwielowseer, soziale Tätigkeit, Mobilitäts‑ oder gesundheitliche Einschränkungen, finanzielle Leistungsfähigkeit, Kinderzahl und besondere Dringlichkeit angemessen berücksichtigt werden – insbesondere zugunsten junger Familien, die marktwirtschaftlich auf den hiesigen Wohnungsmarkt geringe Chancen haben, aber für die soziale Struktur gebraucht werden. Zudem sollte die Möglichkeit der Mietung gegenüber der Verpachtung Vorrang erhalten, da sie eine sozialere und flexiblere Vergabe ermöglicht.
Nadine Stephan:
Viele ältere Menschen möchten hier alt werden, oft in einer kleineren Wohnung in ihrem Ortsteil. In Ferch wird bereits an einem neuen Konzept gearbeitet, das Altenpflege und die Ausbildung von Pflegekräften zusammenbringen soll. Außerdem laufen Gespräche darüber, wie sich Vereine in leerstehende Räume einbinden lassen.
Das Zauberwort ist Kommunikation. Eigentümer, Träger, Vereine und Investoren an einen Tisch holen und miteinander reden, bevor Gebäude leer stehen oder verfallen. Die Gemeinde könnte dabei Planungsrecht schaffen und zügig entscheiden.
Dirk Hünerson:
Für die Gemeinde ist es zentral, bestehende Gebäude und Flächen intelligent zu nutzen, statt immer neue Baugebiete auszuweisen. Deshalb setze ich auch auf Umnutzungskonzepte, die gemeinsam mit erfahrenen externen Betreibern entwickelt werden – insbesondere für Seniorenwohnen, Mehrgenerationenwohnen und betreute Wohnformen.
Mit gemeinnützigen Trägern wie der Hoffbauer‑Stiftung, der Diakonie oder den Johannitern haben wir bereits verlässliche Partner vor Ort. Diese Zusammenarbeit sollte ausgebaut werden, um soziale Wohnangebote zu schaffen, die sowohl bezahlbar als auch langfristig tragfähig sind.
Dazu zählt auch die vereinbarte Umsetzung in der Caputher Mitte.
Nadine Stephan:
Für Baustopp, Abriss und Bußgelder ist die Bauaufsicht des Landkreises Potsdam-Mittelmark zuständig, nicht die Gemeinde. Trotzdem ist das für mich kein Thema, bei dem sich das Rathaus wegducken darf.
Mein Grundsatz lautet: Regeln gelten für alle gleich. Wer ordentlich einen Bauantrag stellt, monatelang wartet und Auflagen erfüllt, darf am Ende nicht der Dumme sein, während der Nachbar einfach loslegt. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und des Vertrauens in die Verwaltung.
Als Bürgermeisterin würde ich Hinweise auf ungenehmigte Bauten sachlich an den Landkreis weitergeben und dort auch nachhaken, was daraus geworden ist. Ich möchte mit der Bauaufsicht eine feste Absprache treffen, damit die Gemeinde über den Stand informiert wird und Fälle nicht jahrelang liegen bleiben. Ich will aber keine Kultur des gegenseitigen Anschwärzens im Ort. Streit unter Nachbarn löst man nicht über anonyme Anzeigen.
Abriss ist für mich das letzte Mittel. Vieles lässt sich mit einem nachträglichen Bauantrag heilen, und diesen Weg sollte man zuerst gehen. Konsequent durchgegriffen werden muss dort, wo Uferbereiche, Landschaftsschutzgebiete oder die Rechte von Nachbarn betroffen sind. Unsere Seeufer und unsere Natur sind das, was Schwielowsee ausmacht. Die dürfen nicht Stück für Stück zugebaut werden.
Am wichtigsten ist mir die Vorbeugung. Viele bauen ohne Genehmigung, weil sie gar nicht wissen, dass sie eine brauchen, zum Beispiel beim Pool, Carport oder Gartenhaus. Deshalb könnte ich mir im Rathaus eine verlässliche Erstberatung vorstellen: Ist mein Vorhaben genehmigungsfrei? Was sagt der Bebauungsplan? Wo muss ich hin? Dazu gehört auch, dass die Gemeinde ihre Bebauungspläne aktuell und verständlich hält, damit klar ist, was wo erlaubt ist.
Ich habe selbst im Bauamt der Stadt Beelitz gearbeitet und privat ein Mehrfamilienhaus in einem historischen Sanierungsgebiet saniert, das mitten im Baugenehmigungsverfahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Ich weiß, wie mühsam Genehmigungen sein können. Gerade deshalb setze ich mich für schnelle, klare Auskünfte ein und dafür, dass die Regeln am Ende für alle gelten.
Dirk Hünerson:
Die Gemeinde muss gegen ungenehmigte Bauvorhaben vorgehen – aber mit einer klaren Priorisierung, die Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Verwaltungsökonomie verbindet. Nachgenehmigungen sind kein Automatismus nur, wenn das Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Es soll keine Privilegierung durch „Fakten schaffen“ geben. Natürlich haben Schutzgüter, wie Umwelt und Natur bzw. die Gefahrabwendung Vorrang vor Komfortbauten, genauso wie sozialer Nutzen und Gemeinwohl betrachtet werden muss, daher sind alle 3 benannten Mittel relevant.
Nadine Stephan:
a) Ja. In den letzten 20 Jahren ist unser Haushalt oft mit Grundstücksverkäufen ausgeglichen worden. Das kann nicht Sinn und Zweck einer zukunftsorientierten Entwicklung sein. Privat verkaufe ich doch auch kein Grundstück, um mein Konto aufzubessern. Ein Verkauf ist für mich der absolut letzte Ausweg, etwa wenn die Sanierung einer Immobilie unseren finanziellen Spielraum übersteigt. Grund und Boden, den die Gemeinde verkauft, ist für immer weg. Über Pacht und Erbbaurecht behalten wir Einfluss und haben dauerhafte Einnahmen.
Wichtig wäre mir, dass unsere Erbbaurechtsverträge gut formuliert und rechtssicher sind. In einigen Fällen ist es heute recht schwierig, die Position der Gemeinde durchzusetzen. Das sollte uns nicht noch einmal passieren. Auch die Laufzeiten sollten wir gut überlegen. Verträge über 99 oder 66 Jahre binden mehrere Generationen. Kürzere Laufzeiten mit der Möglichkeit zur Verlängerung würden der Gemeinde mehr Spielraum lassen.
b) Bevor verkauft wird, sollte eine Fläche aus meiner Sicht mindestens ein Jahr lang öffentlich und aktiv zur Pacht angeboten worden sein, mit Veröffentlichung im Amtsblatt, auf der Homepage und direkter Ansprache möglicher Interessenten. Würde davon abgewichen, müsste die Verwaltung das in der Gemeindevertretung nachvollziehbar begründen. Und wie bereits gesagt: Ein Verkauf kommt nur in absoluten Ausnahmefällen infrage.
Dirk Hünerson:
Ja, ich unterstütze den Grundsatzbeschluss vollumfänglich. Gemeindliche Liegenschaften sind strategische Vermögenswerte, die langfristig für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Aufgaben benötigt werden. Eine Vermietung oder Verpachtung erhält die kommunale Steuerungsfähigkeit, schafft dauerhafte Einnahmen und verhindert, dass die Gemeinde durch einmalige Verkaufserlöse langfristig Handlungsspielräume verliert. Von dem Beschluss sollte nicht abgewichen werden, es sei denn ein kurzes anderweitiges Nutzungsfenster ist geboten.
Klima
Nadine Stephan:
Das könnte ich mir vorstellen, aber nur mit Förderung. Über die Kommunalrichtlinie des Bundes wäre das möglich, Michendorf zeigt, wie es geht. Eine solche Stelle sollte nicht Papier produzieren, sondern Fördermittel für konkrete Maßnahmen holen, etwa für PV, Gebäudesanierung und Radwege. Dann könnte sie sich zu einem großen Teil selbst tragen. Ob und wann, hinge davon ab, wie sich unser Haushalt entwickelt.
Dirk Hünerson:
Ein Klimaschutzmanagement ist für Schwielowsee grundsätzlich sinnvoll, hierzu ist die Nationale Klimaschutzinitiative NKI des Bundes anwendbar. Um weitere Synergien mit bestehenden Strukturen wie dem Abwasserzweckverband, der kommunalen zu schaffenden Energiewirtschaft zu entwickeln, sollte eine personelle Verzahnung mit Gewerbe‑ und Wirtschaftsförderung erfolgen, weil Klimaschutz, Energieeffizienz und lokale Wertschöpfung zusammengehören.
Angesichts der angespannten Haushaltslage und bis eine geförderte und dauerhaft finanzierbare Stelle aufgebaut werden kann, werde ich als Physiker mit Unterstützung des Klimabeirates zentrale Aufgaben übergangsweise selbst mit übernehmen.
Nadine Stephan:
Ich könnte mir eine Maßnahmenliste vorstellen, in der jede Maßnahme einen Verantwortlichen, einen Termin und eine Finanzierung hat, und einen jährlichen öffentlichen Bericht an die Gemeindevertretung. Ich könnte mir auch vorstellen, zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern Ideen zu entwickeln.
Einige Beispiele: Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume sollten im Gemeindegebiet stattfinden und nicht woanders. Beim Gießen könnten Baumpatenschaften mit Vereinen und Schulen helfen. Bei eigenen Bauprojekten der Gemeinde sollte Regenwasserversickerung Standard werden. Beim Wassererhalt gibt es schon ein gutes Beispiel: Die Klimainitiative vernässt gemeinsam mit der Gemeinde und mit Unterstützung der Uni Potsdam wieder das Moor am Caputher See, ein Förderantrag über das Programm „1000 Moore“ ist gestellt. Wo es einfach umzusetzen ist, könnte ich mir auch öffentliche Trinkwasserbrunnen vorstellen, etwa an Spielplätzen oder Badestellen. Das hilft an heißen Tagen und kostet nicht viel. Beim Brandschutz sollten fehlende Löschwasserstellen zeitnah umgesetzt werden (siehe Gefahrenabwehrplan).
Dirk Hünerson:
Schwielowsee hat begrenzte Ressourcen – deshalb braucht es ein System, das realistisch, finanzierbar und wirksam ist. Ich sehe drei Verantwortungsbereiche:
Verwaltung / Bauamt: Hitzeschutz, Beschattung, Baumbestand, Versickerung, Regenwassermanagement, und im gewissen Rahmen Gestaltungssatzungen mit Vorgaben für Neubau und Sanierung.
Abwasserzweckverband, Kommune & Energiewirtschaft: Wassererhalt, Regenwasserführung, kommunale Wärmeplanung, erneuerbare Energien (PV auf kommunalen Gebäuden, Wärmenetze)
Ordnungsamt / Verkehr: beschattete und kühlende Materialien auf den Wegachsen, Umsetzung der Mobilitätskonzepte für Rad, ÖPNV und barrierefreie Fußwege
Kurzfristige Maßnahmen: Hitzeaktionsplan für öffentliche Gebäude, Baumbestandsanalyse mit Nachpflanzkonzept, PV‑Potenzialanalyse für kommunale Dächer und Regenwasser‑Quick‑Wins (Mulden, Entsiegelung kleiner Flächen)
Mittel- und langfristige Maßnahmen: Ausbau erneuerbarer Energien auf kommunalen Gebäuden, Mobilitätsachsen für Rad und Fuß, Brandschutzkonzept für Wald‑ und Uferbereiche, Ergänzung der kommunale Wärmeplanung um Pilotprojekte, integrierte Wasserstrategie (Regenwasser, Abwasser, Grundwasser) und klimastabile Ortskerne (Beschattung, Grünräume, kühlende Materialien)
Nadine Stephan:
Das deutsche Ziel ist 2045, daran würde ich mich orientieren. Ich möchte aber keine Jahreszahl versprechen, die ich mit dem Haushalt nicht hinterlegen kann. Mir wäre wichtiger, dass wir jedes Jahr messbar vorankommen und das auch nachweisen, als dass wir ein Datum beschließen und es dann nicht bezahlen können.
Dirk Hünerson:
Grundsätzlich halte ich das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 für richtig und wünschenswert. Wenn der Landkreis einen längeren Zeithorizont bis 2060 eröffnet, ist das politisch nachvollziehbar – aber für Schwielowsee sollte Klimaneutralität weiterhin ein ambitioniertes, erreichbares Ziel bleiben.
Entscheidend ist für mich nicht das Datum allein, sondern die Frage, ob wir eine tragfähige Struktur schaffen, die Klimaschutz, Energieeffizienz und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbindet.
Mit einem Klimaschutzmanager sowie Verantwortlichen für Gewerbe‑ und Wirtschaftsförderung sehe ich die Chance, eine solide finanzielle Basis für Pilotprojekte aufzubauen – etwa in der kommunalen Wärmeplanung, der Nutzung kommunaler Energieträger und der Entwicklung einer „energieintelligenten Kommune“.
Diese Projekte schaffen nicht nur Klimaschutz, sondern auch wirtschaftliche Stabilität und lokale Wertschöpfung. Damit können wir die Voraussetzungen schaffen, um das Ziel der Klimaneutralität realistisch zu erreichen – ob 2045 oder 2060 hängt letztlich von Fördermitteln, Infrastruktur und regionalen Synergien ab.
Gemeinsam in Schwielowsee
Nadine Stephan:
Für freiwillige Aufgaben der Gemeinde wird es finanziell immer schwerer.
Ein Beispiel aus Caputh: An der Ziegelscheune haben sich Rentner fünf Jahre lang jeden Sonntag an ihrer Bank getroffen. Dann wurde die Bank abgebaut, ohne dass jemand gefragt wurde. So verschwinden Treffpunkte. Erst auf eine Initiative hin wurde sie wieder aufgestellt. Mir wäre wichtig, dass vorher gefragt wird. Das kostet nichts.
Ein gutes Beispiel ist der geplante Platz an der Neuen Scheune in Ferch mit Spielplatz, Bänken und Nahkaufbox. So entsteht ein Treffpunkt mitten im Ort. Ich würde mir außerdem einen festen Treffpunkt für unsere Jugend wünschen. Unsere Vereine sind die wichtigsten Dritten Orte, die wir haben, und bräuchten eine Verwaltung, die sie unterstützt statt bremst.
Glücklicherweise wächst auch wieder das Interesse an Cafés und gemütlichen Orten. In Caputh etablieren sich gerade einige wundervolle Treffpunkte. Nutzungskonzepte müssten für vorhandene Räume überprüft werden. Möglichkeiten gibt es, etwa frei werdende Kita-Räume oder auch Räume im Fercher Seniorenheim. Da muss man miteinander sprechen und Interessen verknüpfen.
Dirk Hünerson:
Dritte Orte sind unverzichtbar für den Zusammenhalt in Schwielowsee. Ich will kommunale Räume durch ein Doppelnutzung zur Verfügung stellen. Die Gemeinde stellt Räume und Rahmenbedingungen, die Vereine und soziale Träger füllen sie mit Leben, in der Administration und Verwaltung sollte die Gemeinde Dienstleister sein. So entsteht wieder Leben in den Ortsteilen – für alle Generationen. Gleichzeitig soll bezahlbarer Wohnraum, Arbeitskräfte für lokale Gastronomie und Gewerbe anziehen.
Nadine Stephan:
Ja. Das INSEK ist für mich ein Fahrplan und eine gute Grundlage für die Zukunft. Es ist von der Gemeindevertretung mit großer Mehrheit beschlossen worden und Voraussetzung für Fördermittel. Die Ziele sind also längst da. Was fehlt, wäre jemand, der sie Schritt für Schritt umsetzt, soweit das Geld es zulässt. Leitplanke heißt für mich aber nicht, dass nichts mehr angepasst werden kann. Wenn sich etwas ändert, entscheidet die Gemeindevertretung
Dirk Hünerson:
Das INSEK ist für mich ein wichtiges strategisches Dokument. Es beschreibt Szenarien und Entwicklungsrichtungen für die Gemeinde, ist aber kein starres Regelwerk. Die Ziele und Vorschläge des INSEK sollten als Orientierung dienen – gleichzeitig muss die Gemeinde flexibel bleiben.
Aus meiner Sicht ergeben sich folgende zentrale Handlungsfelder, die im INSEK besonders relevant sind und die wir aktiv steuern müssen:
Innenentwicklung und Vermeidung unkontrollierter Zersiedlung: Die Ortskerne dürfen nicht weiter unkoordiniert ausfransen. Wir brauchen eine gemeinsame Steuerung der Innenentwicklung, klare Gestaltungsvorgaben und eine Priorität für Nachverdichtung statt neuer Baugebiete.
Demografischer Wandel und soziale Infrastruktur: Die Alterung der Bevölkerung erfordert niederschwellige Treffpunkte und neue Wohnformen wie Seniorenwohnen, Mehrgenerationenwohnen und betreute Wohnangebote. Diese Strukturen stärken gleichzeitig das soziale Leben in den Ortsteilen.
Familienfreundlichkeit und Zukunftsfähigkeit der sozialen Einrichtungen: Neue Wohnangebote für ältere Menschen ermöglichen gleichzeitig den Zuzug junger Familien. Das stabilisiert unsere Kitas und Schulen wirtschaftlich und schafft die Grundlage für eine moderne, zeitgemäß ausgestattete Bildungs‑ und Betreuungsinfrastruktur.
Weiterführende Schule: Die Rückholung einer kommunal geführten weiterführenden Schule ist für mich ein zentrales Zukunftsthema – sowohl aus sozialer als auch aus finanzieller Sicht. Im INSEK‑Verfahren wurde deutlich, dass der Landkreis trotz klaren Bedarfs keine eigene Initiative zur Schaffung einer weiterführenden Schule in Schwielowsee ergreifen wird.
Gleichzeitig steigt die Kreisumlage, weil wir die schulische Infrastruktur benachbarter Gemeinden mitnutzen und dafür Ausgleichszahlungen leisten, die inzwischen rund eine Million Euro pro Jahr betragen. Diese Mittel verlassen unseren Haushalt, ohne dass wir eigene Gestaltungshoheit oder dauerhafte Wertschöpfung erhalten.
Ich bin der Auffassung, dass diese Gelder besser in eine kommunale Oberschule investiert werden sollten. Damit würden wir nicht nur unsere Haushaltsautonomie stärken, sondern auch einen erheblichen sozialen Mehrwert schaffen. Ein Oberschulstandort ist im Schulentwicklungsplan des Kreises für Schwielowsee ausgewiesen.
Kinder + Jugend
Nadine Stephan:
Die Beteiligung ist nach § 18a der Kommunalverfassung Pflicht und nicht nur ein netter Wunsch. Wir haben dafür bereits eine gute Grundlage: Es gibt einen Kinder- und Jugendbeauftragten, der gerade die Gründung des Kinder- und Jugendbeirats begleitet. Später können sich die „jungen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker“ dort selbst einbringen. Außerdem gibt es seit vielen Jahren die mobile Jugendarbeit mit einem Sozialarbeiter für unsere Kinder und Jugendlichen.
Auf die Zusammenarbeit mit beiden würde ich mich sehr freuen. Ein eigenes Jugendbudget, über das der Beirat selbst mitentscheidet, fände ich gut, zum Beispiel beim Jugendtreffpunkt. Wie groß es sein könnte, hinge vom Haushalt ab, aber auch ein kleiner Betrag zeigt, dass wir die Jugendlichen ernst nehmen. Bei Kindern würde Beteiligung eher über Schulen und Kitas funktionieren, bei Jugendlichen über kurze Umfragen und Treffen vor Ort statt langer Sitzungen. Mein Weg als Kümmerin begann übrigens schon in meiner Schulzeit, als ich als Klassensprecherin Verantwortung übernommen habe.
Ich könnte mir auch vorstellen, gemeinsam mit dem Seniorenbeirat Ideen für eine Zusammenarbeit über die Generationen hinweg zu entwickeln. Jung und Alt haben sich oft mehr zu sagen, als man denkt.
Dirk Hünerson:
Die Kinder‑ und Jugendbeteiligung soll dauerhaft über stabile Strukturen abgesichert werden. Dafür können wir auf bestehende Angebote der Schulen und Jugendräume aufbauen. Diese werden – neben der sozialpädagogischen Arbeit – durch zusätzliche FSJ‑Stellen unterstützt, die kontinuierlich präsent sind, Projekte begleiten und ein eigenes Jugendbudget verwalten.
Die Jugendvertretung soll als Beirat in der Gemeindegremien auftreten und damit ein echtes Mitspracherecht erhalten. Ich werde selbst Sprechstunden für Jugendliche in Jugendclubs oder Schulen anbieten, um die Sichtbarkeit und Wirkung zu erhöhen.
So entsteht eine feste Struktur mit klaren Ansprechpartnern, verbindlichen Beteiligungsrechten und einem eigenen Budget, das Kinder und Jugendliche selbst gestalten können.
Zusätzlich möchte ich durch eine kommunal geführte weiterführende Schule die Jugend wieder in die Gemeinde holen und damit überhaupt deren Beteiligung ermöglichen.
Gleichstellung/ Antidiskriminierung
Nadine Stephan:
Eine Gleichstellungsbeauftragte oder ein Gleichstellungsbeauftragter hätte meine volle Unterstützung. Man muss aber ehrlich sagen: Eine Vollzeitstelle dafür gibt es in unserer Gemeinde nicht, und bei unserer Haushaltslage wird sich daran so schnell nichts ändern.
An erster Stelle steht für mich, dass es eine vertrauenswürdige Ansprechperson gibt, an die sich Menschen wenden können, wenn sie sich benachteiligt oder bedrängt fühlen. Ich bin selbst Kinderschutzbeauftragte in meinem Sportverein. Man hofft, dass man so eine Stelle nie braucht, aber sie muss da sein, und jeder muss wissen, an wen er sich wenden kann. Auch aus meinen vielen Jahren im Personalrat weiß ich, wie wichtig eine Person ist, der man vertrauen kann.
Inhaltlich sähe ich Schwerpunkte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also bei verlässlichen Kitaplätzen und Betreuungszeiten, die zur Arbeitswelt passen, und bei Frauen in Ehrenamt und Kommunalpolitik, wo sie immer noch zu selten vorne stehen. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die Gleichstellungsbeauftragte unsere Vereine bei Schutzkonzepten unterstützt, damit es überall eine feste Ansprechperson gibt.
Dirk Hünerson:
Die Gleichstellungsbeauftragte soll unabhängig von Bürgermeister und Gemeindevertretung wirken.
Sie soll soziale Teilhabe für alle Generationen stärken, Menschen in schwierigen Lebenslagen schützen, Gleichstellung in Arbeit, Ehrenamt und kommunaler Entwicklung fördern bzw. in allen kommunalen Entscheidungen verankern. Dafür braucht sie Unabhängigkeit und feste Beteiligungsrechte.
(Die Fotos der Kandidierenden haben wir ihren eigenen Internetauftritten im Rahmen des Wahlkampfes entnommen.)