Bürgerwind Schwielowsee

Initiativkreis Bürgerwind Schwielowsee

von Thorsten Spehr

Brennende und vertrocknete Wälder durch Klimawandel machen nicht Halt vor Schwielowsee. Nun wird endlich auch bei uns deutlich gehandelt: Die Gemeindevertreter von Schwielowsee werden am 4. Dezember 2019 über einen Städtebaulichen Vertrag abstimmen, der Voraussetzung für die Errichtung des Windparks „Dachsberg“ durch die Potsdamer Firma Notus ist (www.windpark-dachsberg.de ). Ein Initiativkreis von mehr als 70 Bürgern aus Schwielowsee und dem Umland haben vor rund 4 Jahren begonnen, aus Sorge um den Klimawandel auch in unserer Gemeinde einen Beitrag zur CO2-Vermeidung durch die Errichtung eines Windparks zu leisten. Die Bürgerinitiative unterstützt dieses Anliegen durch den Kauf eines der sieben zu errichtenden Windräder und zeigt damit lokales Handeln gegen den Klimawandel. Es sieht nun sehr gut für eine positive Beschlussfassung aus, denn der Ortsbeirat Ferch, der Finanz- und der Hauptausschuss der Gemeinde haben sich bereits mit klarer Mehrheit für das Projekt ausgesprochen.

Eine so breite Unterstützung durch Bürger und Gemeindevertreter hat gute Gründe:

  • Der Windpark leistet einen Beitrag zur Energiewende. Das wird auch von der Gemeinde Schwielowsee direkt unterstützt und trägt zu einer Verbesserung ihrer Klimabilanz bei,
  • die Gemeindefinanzen profitieren: die Gemeinde erhält 40% der 10.000 Euro, die jährlich für jedes der sieben Windräder zu entrichten sind,
  • die Bürger Schwielowsees und Umgebung profitieren: Durch das Bürgerwindrad werden Bürger die Möglichkeit erhalten, in das Windrad zu investieren und finanziell davon zu profitieren. Außerdem hat die Bürgerinitiative vor, von den Erträgen, die das Windrad abwirft, bis zu 10.000 € jährlich für Umweltprojekte in Schwielowsee zur Verfügung zu stellen und
  • die Gemeinde Schwielowsee erhält kostenfrei zwei neue Löschwasserbrunnen, die auch für allgemeine Waldbrandbekämpfung von Nutzen sein werden. Weiterhin werden Waldwege für schwere Fahrzeuge ausgebaut, was auch der Feuerwehr bei der Brandbekämpfung zu Gute kommt.


Der Initiativkreis Bürgerwind Schwielowsee wird in der Gemeindevertreterversammlung am 4. Dezember dabei sein und zeigen, dass eine große Zahl von Bürgern FÜR dieses Projekt sind! Thorsten Spehr, Mitgründer des Initiativkreises: „Ich freue mich auf diesen wichtigen ersten Schritt zu einem Bürgerwindrad in Schwielowsee! Die Bürger werden finanziell profitieren und wer will, kann tatkräftig mitmachen, um die Energiewende in unserer Gemeinde mitzugestalten!“.


Hintergründe zur Kritik der Windkraftgegner:

Es gibt auch Gegner dieses Windparks: Von ihnen wird vorgetragen, man sei für die Energiewende und den Naturschutz. Man fordert, dass es allerdings nicht hier stattfinden solle („not in my backyard“), da man die Verursachung von Gesundheitsproblemen und auch massive Schädigung der heimischen Wälder befürchtet. Nicht nur die erkennbare mangelnde Solidarität der Windkraftgegner zur Lösung des Klimaproblems, sondern auch fachliche Gründe führen zu einer Zurückweisung der veröffentlichten Kritikpunkte:

  • Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine Gesundheitsschädigung von Windrädern belegen,
  • die Windräder im Dachsberg stehen mit einem Abstand von mindestens 1,2 Kilometern weiter entfernt von der nächsten Wohnbebauung, als gesetzlich notwendig wäre und
  • der Wald wird durch die Windräder nicht zerstört, sondern verbessert: Umfassende Wiederaufforstung im Landkreis Potsdam-Mittelmark führt zu hochwertigerem Mischwald, der als Ersatz für den minderwertigen Nadelwald gepflanzt wird, der im übrigen am vorgesehenen Standort einen Baumbestand mit sehr großen Schäden wahrscheinlich aufgrund unzureichender Wasserzufuhr aufweist.


Hintergründe zum Initiativkreis Bürgerwind Schwielowsee:

Für den Fall der Errichtung eines Windparks Nähe Autobahnauffahrt Glindow bemüht sich ein Initiativkreis aus Schwielowseer Bürgern seit mehr als 4 Jahren darum, dass sich an mindestens einer der neuen Windkraftanlagen Bürger aus der Gemeinde wirtschaftlich beteiligen können. Hervorgegangen ist diese Initiative aus einem Energieforum, in dem sich ehrenamtliche Fachleute aus verschiedenen Bereichen trafen, um die Klimawende in Schwielowsee vor allem mit Projekten zur regenerativen Energie zu unterstützen. Es ging um Themen wie z.B. Geothermie, Photovoltaik, Austausch veralteter Pump- und Heizungsanlagen, basierend auf einer Unzufriedenheit darüber, dass doch viel mehr geschehen könnte als an Projekten tatsächlich stattfand.

Als dann 2015 erstmals eine Windparkplanung durch die PROKON-Genossenschaft bekannt wurde, nahm der Initiativkreis Kontakt auf und verhandelte aussichtsreich über den Erwerb und späteren Betrieb einer Windkraftanlage in Bürgerhand. In öffentlichen Veranstaltungen und einer damals geschalteten Webseite haben sich über 70 Interessenten gemeldet und ihre Unterstützung für eine solche Anlage bekundet. Dieses Projekt scheiterte zwei Jahre später aus PROKON internen Gründen. Inzwischen ist das Nachfolgeprojekt durch die Firma NOTUS im Genehmigungsverfahren, und auch NOTUS hat versichert, den Betrieb eines Bürgerwindrads zu ermöglichen.

Verhandlungen zwischen NOTUS und dem Initiativkreis über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlaufen bislang vielversprechend. Zum späteren Erwerb der schlüsselfertigen Windkraftanlage und zum laufenden Betrieb beabsichtigt der Initiativkreis in 2020 eine GmbH & Co KG zu gründen. Dies wird mit dem Ziel verfolgt, möglichst vielen Bürgern aus Schwielowsee und Umgebung zu attraktiven Bedingungen eine finanzielle Beteiligung am Bürgerwindrad zu ermöglichen. So werden die Gewerbe- und Körperschaftssteuern wie und auch die anteiligen Einkommenssteuern der Beteiligten sich in der Gemeinde niederschlagen.

Der besondere Clou des Bürgerwindrads Schwielowsee ist aber noch ein ganz anderer:

Aus den Betriebserlösen sollen jährlich bis zu 10.000 Euro für den Anschub neuer Klimaschutz-Projekte in der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Dazu soll sich das frühere Energie-Forum als Bürgerverein neu gründen und über die jährliche Vergabe dieser Mittel entscheiden sowie die Durchführung der Projekte begleiten. So werden die Zuschüsse des Bürgerwindrads 20 Jahre lang regelmäßig zum kreativen Diskurs über die besten Projektideen zur Klimaneutralität beitragen, egal ob es um den Bau einer neuen Elektrotankstelle geht, die Erstellung eines Katasters über geeignete Photovoltaik-Dächer oder um die Förderung eines Elektromotors für die Caputher Fähre, damit dort nicht 12 Stunden täglich der Dieselmotor weiter tuckern muss!

Die Gründungsaktivitäten werden im nächsten Jahr beginnen. Es liegt viel Arbeit vor dem Initiativkreis, in dem weitere Unterstützer gerne willkommen sind.


V.i.S.d.P.: Thorsten Spehr, BUERGERwind-Schwielowsee(at)t-online.de, 033209-848 33

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